Seit ich (Thomas) nach Skye fahre, wollte ich dort mal einen Munro besteigen. Zu Erklärung: Munros nennt man die Berge, die höher als 3000 Fuß (ca. 914 Meter) sind. Es gibt in Schottland 283 davon, und die 12 Munros auf Skye zählen zu den schwierigsten. Zumindest sagt das die einschlägige Literatur, die davor warnt, diese Berge auf die leichte Schulter zu nehmen. Unter anderem gibt es nur sehr selten Wege bis zum Schluss (im Gegensatz z.B. zum Ben Lomond, den wir ja schon zweimal gemacht haben) und das Wetter auf Skye ist nochmal um Einiges unberechenbarer als anderswo.
In der Zeitung haben kurz zuvor übrigens gelesen, dass es jemand jetzt gerade geschafft hat, alle 283 Munros am Stück (!!) in der neuen Rekordzeit von knapp fünf Wochen zu besteigen.
Gut, ich wollte nur einen - und nachdem ich Wegbeschreibungen und Karten durchgearbeitet hatte, sind wir dann zunächst zusammen losgezogen und haben uns dann getrennt (Chris hatte von vornherein gesagt, dass sie nur mitgeht, solange sie sich gut fühlt und das war letztendlich auch gut so. Sie ist dann ins Coire a Ghreadaidh gelaufen, was wohl auch sehr schön war).
Hier ein paar Eindrücke vom Weg nach oben:
Es war eine ganz schöne Schufterei, aber die Wegbeschreibung war ganz OK. Zunächst geht es über Gras (was für die Gelenke eine echte Erleichterung ist), später dann kommen aber die unvermeidlichen felsigen Abschnitte mit sehr viel losem Geröll und es wird immer schwieriger, sich zu orientieren.
Nach ca. dreistündigem Aufstieg (incl. Pausen) war der Gipfel aber dann erreicht und die Aussicht (u.a. auf den Loch Coruisk von Norden und die umliegenden Cuillins) war wieder einmal absolut überwältigend.
Dasist der Gipfel.
Nach der Essenspause auf dem Gipfel fing es plötzlich an, sich von Westen her zuzuziehen - davor hatte ich immer ziemlichen Respekt, weil alle Bücher immer davor warnen.
Schon nach ein paar Minuten war der Rückweg von oben überhaupt nicht mehr erkennbar.
Da es auch nach einigem Warten nicht besser wurde, habe ich mich doch auf den Rückweg gemacht und nach etwa einer haben Stunde und besserer Sicht wurde klar, dass ich den Berg, den ich zur Orientierung genutzt und auf dem Hinweg noch auf meiner rechten Seite hatte, nun wieder auf meiner rechten Seite hatte. Das war schlecht, aber wieder hochlaufen und die Runde zu machen, wollte ich auch nicht. Also getreu dem Motto "Es gibt immer einen Weg" bin ich dann auf meiner Route geblieben. Was vor mir lag, sah ungefähr so aus:
Einen Trost hatte ich: Man konnte in einiger Entfernung (allerdings ziemlich weit links unten von mir) einen Weg erkennen, den ich erreichen musste. Vor mir lag noch eine ganz schöne Strecke felsiger steiler Abhang mit gaaanz viel losem Geröll. Also genau das, was man für einen sicheren Abstieg nicht braucht.
Ich hatte mich frühzeitig von dem Gedanken verabschiedet, aufrecht im Zick Zack nach unten zu gehen und bin dann relativ viel auf dem Hosenboden entlang gerutscht. OK, hört sich mädchenmäßig an, war aber die richtige Entscheidung. Also es ging stetig nach unten, es war aber eine ganz schöne Tortur. Loses Geröll hat sich abgewechselt mit glitschig glatten Felsplatten, eingerahmt von scharfkantigen Felsen, an denen man sich gut festhalten musste, um nicht den plötzlichen Abflug zu machen.
Hier ein Blick nach oben nach ca. 1/4 der Strecke:
Ich war ganz schön froh, als ich alle Hindernisse überwunden hatte und auf dem Weg war. Kleinere Schäden habe ich gerne in Kauf genommen.
Auch zwei Tage später erinnern mich brennende Oberschenkel und ein ganz derber Muskelkater im Schulter- und Brustbereich an diesen Abstieg.
Viele Grüße
Thomas
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